Martius, Friedrich

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Martius, Friedrich

 
1891-1899 ao. Professor der Medizin
1899-1921 o. Professor der Medizin/innere Medizin

Dokument:

Friedrich Wilhelm August Martius, am 7. September 1850 in Erxleben in der Provinz Sachsen geboren, entstammte, wie viele bedeutende Ärzte, einem evangelischen Landpfarrhaus. Das Medizinstudium absolvierte er von 1870 bis 1874 an der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärische Bildungswesen in Berlin. Schon während seiner militärärztlichen Tätigkeit veröffentlichte er eine gründliche Untersuchung über die Anwendung von Methoden der Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Medizin, in der er deren Wert für eine wissenschaftliche Urteilsbildung, aber auch die Unmöglichkeit des Beweises kausaler Zusammenhänge darlegte. Nachdem er 1886 Assistent von Gerhardt (gest. 1902) an der II.. Medizinischen Klinik der Charit‚ geworden war, widmete er sich in seiner experimentellen Arbeit vor allem dem Studium der Herzbewegung beim Menschen. Mit seiner Methode der Registrierung des Herzspitzenstoßes und der Zuordnung der Herztöne gelang ein den technischen Möglichkeiten der achtziger Jahre des 19. Jhs. entsprechender "Abschluß der Lehre vom Herzspitzenstoß". Als Klinikdirektor in Rostock bezog er später als erster die Herzspitzenstoßkurve in die Diagnostik von Patienten mit "erweitertem Herzen" ein und lieferte damit einen der ersten Beiträge zur kardialen Funktionsdiagnostik. Nach zweijähriger Tätigkeit als Leibarzt des Großherzogs Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin 1891 als Direktor der neuerrichteten Medizinischen Poliklinik nach Universität Rostock berufen, führte er systematische Untersuchungen über die Magensekretion durch. Der unerwartet häufige Befund einer Achylia gastrica, die er als konstitutionelle Abart deutete und in der er als erster ein konstantes und wichtiges Symptom der perniziösen Anämie erkannte, führte ihn zur Begründung einer "naturwissenschaftlich-biologischen Konstitutionspathologie". Berühmt geworden ist seine Rektoratsrede von 1911 mit dem Thema "Altern und Altwerden", in der er mit unkonventionellem Weitblick die medizinischen und sozialen Probleme dieser Lebensstufe zu erfassen suchte. Martius starb am 1. Oktober 1923 in Rostock.

Werner Teichmann

aus: Hartwig, Angela; Schmidt, Tilmann (Hg.): Die Rektoren der Universität Rostock 1419-2000. Rostock 2000 (BGUR 23), S. 194.


eingestellt / geändert:
10.11.2010, klabahn  /  19.07.2018, mschabacker
Empfohlene Zitierweise:
Eintrag von "Friedrich Martius" im Catalogus Professorum Rostochiensium,
URL: http://purl.uni-rostock.de/cpr/00000582
(abgerufen am 05.07.2020)