Quistorp, Johannes (der Ältere)

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Quistorp, Johannes (der Ältere)

 
1615-1648 Professor der Theologie (Primarius, rätlich)

Dokument:

Am 18. August 1584 in Rostock geboren, studierte Quistorp zunächst Philosophie in Frankfurt/Oder, dann Theologie in Rostock. 1614 erhielt der den Ruf auf die Professur für Theologie an der Universität Rostock. Seit 1616 war er außerdem Archidiakon und seit 1645 Pastor an St. Marien und Superintendent. Er hatte großen Anteil daran, daß die Hochschule die schweren Zeiten des Dreißigjährigen Krieges überstand. Als eine seiner wichtigsten Aufgaben als Prediger sah er die moralische Aufrichtung und Unterstützung der Gemeindeglieder; dafür sind seine “Kriegspredigten oder Erklärung des Propheten Nahum” aus den Jahren 1626-1627, in denen die Truppen Wallensteins und Tillys Mecklenburg besetzt hielten, und “Predigten über die Klagelieder des Propheten Jeremiae” eindrucksvolle Zeugnisse. Bereits als junger Hochschullehrer bemühte er sich um die Verbesserung des Schulwesens und setzte sich für die Errichtung neuer Schulen und deren finanzielle Absicherung ein. Als Rektor bekämpfte er Pennalismus und Schoristerei, Probleme, die im 17. Jh. besonders die protestantischen Hochschulen betrafen. Unter seiner Mitwirkung beschlossen die Universitäten Rostock und Wittenberg 1639 strenge Maßnahmen zur Bekämpfung dieser das Ansehen der Universitäten schädigenden Erscheinungen. In einer Zeit, in der im Namen der Religion Kriege geführt wurden, neigte er zum Ausgleich bestehender Gegensätze und Differenzen. Beispielgebend versuchte er, diese Toleranz in die Praxis umzusetzen. So leistete er Hugo Grotius (gest. 1645), als dieser todkrank aus Schweden nach Rostock kam, geistlichen Beistand. 1646 setzte er durch, daß aus Holstein vertriebene Anabaptisten in Rostock Aufnahme fanden. Als Theologe widmete er sich vor allem der Bibelexegese; seine Kommentare zu den Briefen des Apostels Paulus erschienen 1652. Als Wissenschaftler, Kirchenpolitiker, Prediger und Rektor genoß er hohes Ansehen, auch über die Landesgrenzen hinaus. Am 2. Mai 1648 ist Quistorp in Doberan gestorben.

Elisabeth Brosig

aus: Hartwig, Angela; Schmidt, Tilmann (Hg.): Die Rektoren der Universität Rostock 1419-2000. Rostock 2000 (BGUR 23), S. 97.


eingestellt / geändert:
11.10.2006, editorCP  /  30.08.2016, mschabacker
Empfohlene Zitierweise:
Eintrag von "Johannes Quistorp" im Catalogus Professorum Rostochiensium,
URL: http://purl.uni-rostock.de/cpr/00001046
(abgerufen am 17.11.2017)