Wachholder, Kurt

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Wachholder, Kurt

Prof. Dr. med.
1933-1953 o. Professor für Physiologie

Dokument:

Kurt Otto Eduard Wachholder, geboren am 23. März 1893 in Oberhausen im Rheinland, begann das Medizinstudium 1912 in Freiburg im Breisgau, wechselte aber bereits im folgenden Jahr an die Universität Bonn. Nach Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg, an dem er als Feldhilfsarzt teilgenommen hat, nahm er 1919 in Bonn das Studium wieder auf und schloß es 1920 mit Staatsexamen und Promotion über Reflexfunktionen des Rückenmarks bei M. Verworn (gest. 1921) ab. Im gleichen Jahr ging er als Assistent zu K. Hürthle (gest. 1945) an das Physiologische Institut der Universität Breslau, wo er sich 1923 über Innervation und Koordination der menschlichen Bewegung habilitierte und 1928 zum Professor ernannt wurde. Nach dem Tod von F.W. Fröhlich (gest. 1932) wurde er als dessen Nachfolger zum Direktor des Rostocker Instituts für Physiologie berufen. Bereits beim Berufungsvorgang bekam er als Nichtmitglied der NSDAP den Widerstand rechtsextremer Kräfte der Landesregierung gegen seine Berufung zu spüren. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs wurde er zur Errichtung eines Reservelazaretts in Pommern einberufen, kehrte jedoch bereits 1940 nach Rostock zurück. Nach dem Krieg kämpfte er dafür, daß die Universität Rostock nicht geschlossen werde. Im Mai 1945 wurde er vom Ortskommandanten der sowjetischen Besatzungsmacht mit der Wiedereröffnung der Universität beauftragt; er bemühte sich um den Aufbau des Lehrkörpers, den Erhalt der Kliniken und den Neubeginn der Medizinischen Fakultät. Als bürgerlicher Demokrat konnte er sich nach Gründung der DDR mit der Einbeziehung der Universität in das stalinistische Bildungssystem nicht abfinden und wandte sich daher 1952 mit vier weiteren Rostocker Professoren in einem von sechs Dekanen unterzeichneten Memorandum an die deutschen Hochschulen und Regierungsstellen der DDR mit der Forderung nach Korrektur einer Reihe von im Zuge der "Zweiten Hochschulreform" getroffenen Anordnungen. Da das erfolglos blieb, nahm er 1953 den Ruf nach Bonn auf den Lehrstuhl seines Lehrers M. Verworn an, und in Bonn ist Wachholder am 7. August 1961 gestorben.

Werner Teichmann

aus: Hartwig, Angela; Schmidt, Tilmann (Hg.): Die Rektoren der Universität Rostock 1419-2000. Rostock 2000 (BGUR 23), S. 217.


eingestellt / geändert:
01.06.2006, editorCP  /  19.07.2018, mschabacker
Empfohlene Zitierweise:
Eintrag von "Kurt Wachholder" im Catalogus Professorum Rostochiensium,
URL: http://purl.uni-rostock.de/cpr/00001093
(abgerufen am 19.07.2019)