Kobert, Rudolf

direkt zum Inhalt

Kobert, Rudolf

Prof.
1899-1918 o. Professor der Pharmakologie und physiologischen Chemie, (ab 1907 auch) Geschichte der Medizin und Pharmazie

Dokument:

Kobert wurde am 3. Januar 1854 in Bitterfeld geboren. Bereits während seiner Studienzeit in Halle hat er sich mit pharmakologischen Versuchen beschäftigt; nach der Promotion ebendort im Jahr 1877 wurde er 1879 Assistent am Physiologischen Institut und 1882 am Pharmakologischen Institut in Straßburg. Von 1886 bis 1897 war er als Professor für Pharmakologie, Diätetik und Geschichte der Medizin in Dorpat tätig. Ihm wird die Einführung des Begriffs der Pharmakotherapie zugeschrieben; sein "Lehrbuch der Pharmakotherapie" (1897) war für den klinisch tätigen Arzt geschrieben. Bereits 1893 hatte er sein "Lehrbuch der Intoxikationen" vorgelegt, das Jahrzehnte lang das Standardwerk der Toxikologie blieb. 1899 wurde er nach Rostock berufen als Nachfolger Otto Nasses mit dem Lehrauftrag für Pharmakologie und physiologische Chemie. Hier setzte er zunächst seine in Straßburg, wo ihm schon 1884 der Nachweis der Sphacellinsäure gelungen war, begonnene Beschäftigung mit der Mutterkornvergiftung fort. Von ihm stammen die Begriffe "Ergotismus convulsivus" und "Ergotismus gangraenosus" für die beiden Erscheinungsformen dieser Vergiftung und er konnte zeigen, daß das Auftreten der Erkennungsform durch die vermehrte Bildung von Cornutin bzw. Sphasellinsäure hervorgerufen wird. Auch seine Untersuchungen über das Hyoscin erlangten große Bedeutung; er konnte die unterschiedliche Wirkung der Einzelalkaloide Atropin und Scopolamin nachweisen und gab damit Anlaß zur Einführung von Scopolamin als Beruhigungsmittel in die klinische Praxis. Koberts eingehende Beschäftigung mit den Saponinen wurde zur Grundlage der Saponinforschung. Untersuchungen über die Wirkung der Gifte von Tieren, Pflanzen und Bakterien sowie Toxinen aus verdorbenen Lebensmitteln belegen sein Bemühen um Verhütung von Intoxikationen durch Aufklärung. Um allen Intoxikationen rasch und wirksam begegnen zu können, strebte er die Einrichtung von speziellen "Entgiftungskästen" an, die an zentralen Stellen bereitgehalten werden sollten. Mit seinem "Compendium der Toxikologie" hinterließ er ein Nachschlagewerk, das in fünf Sprachen übersetzt wurde und zahlreiche Auflagen erlebte. Kobert starb in Rostock am 27. Dezember 1918.

Werner Teichmann

aus: Hartwig, Angela; Schmidt, Tilmann (Hg.): Die Rektoren der Universität Rostock 1419-2000. Rostock 2000 (BGUR 23), S. 190.


eingestellt / geändert:
10.11.2010, klabahn  /  16.10.2018, mschabacker
Empfohlene Zitierweise:
Eintrag von "Rudolf Kobert" im Catalogus Professorum Rostochiensium,
URL: http://purl.uni-rostock.de/cpr/00001151
(abgerufen am 23.07.2019)