Lasch, Rudolf

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Lasch, Rudolf

Prof. Dr.-Ing.
1980 Honorarprofessor für Stadt-, Dorf- und Siedlungsnetzplanung

Dokument:

Rudolf Lasch wurde am 2. Februar 1930, als zweites Kind des Ehepaares Rudolf und Hildegard Lasch, geboren. Der Vater war Angestellter, die Mutter Sekretärin, später Hausfrau und nach dem Tode des Vaters wieder Angestellte. Er hatte zwei Geschwister. Der älteste Bruder, Wolfgang, geboren am 17. Juni 1928, von Beruf Kunstmaler, verstarb 1949 an einem Kriegsleiden. Die jüngere Schwester, Renate, geboren am 10. Oktober 1937, arbeitete als Russischlehrerin, war verheiratet und hatte drei Kinder.
Ab 1936 besuchte er die Schule und unterbrach diese im Jahre 1945 für längere Zeit. Bevor er 1949, nach Wiedereröffnung der Schulen, sein Abitur machte, arbeitete Lasch in Siersleben als landwirtschaftlicher Lehrling und in Eisenach als kaufmännischer Lehrling. Im gleichen Jahr begann er nach einem Maurer- und Zimmererpraktikum bei der Bau-Union Halle – Zweigstelle Eisleben – ein Architekturstudium an der damaligen Technischen Hochschule Dresden. Obgleich seine Mutter nach dem Tode des Vaters im Jahre 1951 wieder arbeitete, unterstützte er sie sowie die in der Ausbildung befindliche Schwester finanziell aus seinen Einkünften als nebenberuflicher Mathematikdozent an der Volkshochschule Dresden. Für den Lebensunterhalt erhielt er ein monatliches Leistungsstipendium.

Sein Berufspraktikum leistete er beim Aufbau der damaligen Stalinallee in der Meisterwerkstatt 3 von Prof. Richard Paulick ab. 1954 erwarb er das Ingenieur-Diplom und gleichzeitig den Abschluss als Ingenieur-Pädagoge, und begann seine berufliche Laufbahn als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr. Otto Schubert am Lehrstuhl für Gebäudelehre, Entwerfen von Hochbauten und Technisches Zeichnen an der TH Dresden. 1959 promovierte er als Externer mit dem Thema "Die Planung und Einrichtung von Freilufteissportbahnen unter besonderer Berücksichtigung sporttechnischer Erfahrungen" an der TH Dresden, unter Hinzuziehung von Gutachten der Hochschule für Körperkultur und Sport in Leipzig. Die sporttechnischen Grundlagen hierzu erwarb Lasch als langjähriges Mitglied einer DDR-Liga-Mannschaft im Eishockey. Ein Jahr später heiratete er Renate Struck und zeugte zwei Söhne mit dieser. Nach dreijähriger Assistentenzeit in Dresden wurde er von seinem ehemaligen Professor, Dr.-Ing. Urbanski, Präsident des BdA/DDR, nach Rostock gerufen. Hier wirkte er ab 1957 als Architekt im Büro des Chefarchitekten, später im Stadtbauamt am Wiederaufbau der durch anglo-amerikanische Bombenangriffe zu 40% zerstörten Stadt Rostock mit.
Die wichtigsten beruflichen Erfolge aus dieser Zeit waren die Planung der Rostocker Südstadt, Greifswald-Schönwalde I, Stralsund Unispar West WK III und die erfolgreiche Teilnahme an einem Architekturwettbewerb für das Haus der Sozialistischen Kultur in Dresden, aus dem er mit dem Rostocker Kollektiv als einziger Preisträger hervorging. Sein theoretisches und praktisches Wissen erweiterte Lasch in diesen Jahren durch Reisen in die Sowjetunion und in alle sozialistischen Länder. Zu Beginn der 1960er Jahre wurde Lasch als Leiter der Entwurfsgruppe Stadtplanung beim Rat der Stadt Rostock eingesetzt, später als Entwurfsgruppenleiter und Bereichsleiter Städtebau im Baustab Lütten Klein, im VEB Hochbauprojektierung sowie im VE Wohnungsbaukombinat. Hier arbeitet er an Bauaufgaben wie die Planung der Wohngebiete Lütten Klein und Evershagen in Rostock, den Wohnbezirken Knieper-West in Stralsund und dem Wohnkomplex Schönwalde II für die Atomkraftwerker in Greifswald mit.
1968 wurde er als Stellvertreter des Chefarchitekten und Abteilungsleiter für den Aufbau des Stadtzentrums, Evershagen und der Hansastraße vom Rat der Stadt Rostock berufen. Eine zeitweilige Zusammenarbeit mit Kurt W. Leucht und später mit Professor Herrmann Henselmann hinterließ jeweils einen nachhaltigen Eindruck. Auf Parteibeschluss hin wurde er als verantwortlicher Hauptarchitekt zur Projektierung des Hauses der Wissenschaften in Rostock zeitweilig in den VEB Industriekombinat Stralsund, BT Rostock, delegiert. 1971 leitete er als Hauptarchitekt im IBK Rostock die Entwurfsarbeiten für das Haus der Wissenschaften.

1972 wurde Lasch, nach Übernahme der Professur von Dr. Urbanski an der Ingenieurhochschule Wismar, als Chefarchitekt der Stadt Rostock und Leiter des Büros für Stadtplanung durch die Stadtverordnetenversammlung berufen. Seit dieser Zeit leitete er die gesamten Planungsarbeiten in der Stadt Rostock und war maßgeblich an der Gestaltung der Wohngebiete Schmarl, Groß Klein, an der Altstadtsanierung und am Bau der Sport- und Kongresshalle Rostock beteiligt. Seine praktischen Erkenntnisse und Erfahrungen hat er in mehreren Veröffentlichungen niedergeschrieben. Ab 1972 hielt Lasch im Rahmen des Ausbildungsprogramms für Führungskader der Praxis, Vorlesungen an der TU Dresden im Fachgebiet "Rekonstruktion und Erhaltung der bestehenden Bausubstanz". 1971-72 übernahm Lasch zeitweilig eine Vorlesungsreihe an der Pädagogischen Hochschule Erfurt über "Komplexe Umweltgestaltung". Im Jahre 1974 berief ihn die Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm in den gesellschaftlichen Rat; der Kreisvorstand Rostock der URANIA als Mitglied der Sektion Wirtschaftswissenschaft und Technik sowie die Wilhelm-Pieck-Universität Rostock in den Problemrat "Soziologie". Weitere enge Kontakte ergaben sich insbesondere durch seine Gutachtertätigkeit für Dissertationen, durch praxisnahe Aufgaben und durch gemeinsame Forschungsvorhaben mit der Bauakademie der DDR, der Ingenieurhochschule Wismar, der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Weißensee, der TU Dresden und der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, die auch ständig Praktikanten in das Büro für Stadtplanung delegierten.
Im Jahre 1977 erteilte die Sektion Architektur der TU Dresden Lasch die facultas docendi für das Lehrgebiet "Städtebau", ein Jahr darauf wurde er zum Honorarprofessor für dieses Gebiet berufen. Gesellschaftlich übte er Wahlfunktionen in der SED, im FDGB, im BDA/DDR, in der Urania und in der Nationalen Front aus. Weiter gehörte er noch dem DSF, DTSB, der FDL und dem KB an. Für seine gesellschaftliche und fachliche Tätigkeit wurde Lasch dreimal als Aktivist ausgezeichnet, erhielt die Schinkelmedaille, die Ehrennadel der Nationalen Front, der Volkssolidarität und der Urania sowie für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Städtebaus und der Architektur den "Nationalpreis 2. Klasse für Kunst und Literatur", den Orden "Banner der Arbeit" - Stufe I, 1977 den Architekturpreis der DDR und den Kulturpreis der Stadt Rostock. Ab 1979 arbeitete er als ordentlicher Professor an der TU-Dresden und wurde im Jahre 1980 an die Universität Rostock berufen.
Er verstarb im Jahr 1993.

Sarah Wingenfelder, Studentenbeitrag aus dem Jahr 2010.

eingestellt / geändert:
31.03.2010, mglasow  /  13.08.2018, mschabacker
Empfohlene Zitierweise:
Eintrag von "Rudolf Lasch" im Catalogus Professorum Rostochiensium,
URL: http://purl.uni-rostock.de/cpr/00002691
(abgerufen am 29.03.2020)