Laur, Otto

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Empfohlene Zitierweise:
Eintrag von "Otto Laur" im Catalogus Professorum Rostochiensium,
https://purl.uni-rostock.de/cpr/00002672
(abgerufen am 08.07.2026)

Laur, Otto

Prof. Dr. med.
 
1948-1952 Dozent für Innere Medizin
1952-1953 Professor mit Lehrauftrag für Innere Medizin
laur_otto_pic.jpg

(Langeintrag)

Katalogeintrag

Fakultät:
1948-1953 Medizinische Fakultät
Institut:
Medizinische Klinik
Lehr- und Forschungsgebiete:
Tuberkuloseforschung, Infektionskrankheiten, interne Urologie
Fachgebiet:
44 Medizin


 weitere Vornamen:
Georg
Lebensdaten:
geboren am 03.04.1905 in Pfullendorf (Baden)
gestorben (?)
 Konfession:
keine
Familie:
Vater: Joseph Laur (1875-1945), Spitalverwalter
Mutter: Anna Laur (1882-?), geb. Waldschütz

Kurzbiographie:
1924 Abitur, Sigmaringen
1924-1929 Studium der Humanmedizin, Univ. Tübingen, Freiburg, Köln, Wien, Rostock
1929-1930 Medizinisches Praktikum, Innere Abteilung der Städtischen Krankenanstalten Bremen
1930-1932 Assistenzarzt, Waldsanatorium in Davos (Schweiz)
1932-1938 praktischer Arzt, Übernahme einer Allgemeinpraxis in Sohland an der Spree (Sachsen) unter Führung einer Tuberkulose-Behandlungsstelle der Landesversicherungsanstalt Sachsen
1937-1938 Wehrdienst, Unterarzt der Reserve, Luftwaffen-Lazarett Gotha und Halle
1939 wiss. Assistent an der Medizinischen Univ.-Klinik Rostock
1939-1944 Wehrmacht (Luftwaffe), tätig in Lazaretten in Norwegen und Deutschland, zuletzt Stabsarzt der Reserve
1944 Assistenzarzt und Leiter der Tuberkulosestation der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz
1945-1948 wiss. Assistent und Stationsarzt, 1948 Dozent und Oberarzt, 1952 Professor, Medizinische Univ.-Klinik Rostock
1946 Facharzt für Innere Medizin
1953 Flucht aus der DDR nach Westberlin
weiterer Lebensweg unbekannt [siehe Biographischer Artikel]
akademische Abschlüsse:
Promotion 1929 Dr. med., Univ. Rostock
Titel der Arbeit: Über den negativen Ausfall der Wassermannschen Reaktion im Liquor cerebrospinalis bei Tabes dorsalis.
Habilitation 1948 (Innere Medizin), Univ. Rostock
Titel der Arbeit: Causalfaktoren der heutigen Tuberculoseausbreitung und -verlaufsformenänderung und die Möglichkeit ihrer klinischen Objektivierung.

akademische Selbstverwaltung:
1947-1948 kommissarischer Klinikdirektor
Funktionen:
1949 Leiter des Landes-Tuberkulose-Aktionsausschusses in Schwerin
Parteimitgliedschaften:
1938-1939 NSDAP
1946-1951 LPD


Quellen:
Personalakte Otto Laur, UAR; zusammengestellt von Nina Happ, Rostock
Internet-Ressourcen:
Einordnung:
Epoche 1945-1990

eingestellt / geändert:
18.01.2010, mglasow / 24.11.2022, rstephan

Biographie

Dokument:

Im Jahr 1953 entschloss sich Prof. Otto Laur, die Deutsche Demokratische Republik zu verlassen und in den Westen Deutschlands, nach Berlin, überzusiedeln. Die Absetzung ging absolut geheim vonstatten. Am Ziel angekommen, richtete sich Prof. Laur in einem Schreiben an die Medizinische Fakultät der Universität Rostock:

Nachdem die Entscheidung, die ich noch abwarten musste, gefallen ist, möchte ich zuallererst Ihnen, sehr verehrter Herr Professor, die Mitteilung machen, daß ich aus zwingenden persönlichen Gründen u. keineswegs leichten Herzens mich nach Westdeutschland abgesetzt habe.
Es ist mir besonders unangenehm, daß mein Ausscheiden aus der Klinik, das mir recht schwer fällt, heimlich erfolgen musste u. ohne Einhaltung der korrekten Form.
Ich bitte Sie daher, dieses mich bedrückende Verhalten im Hinblick auf die Verhältnisse verstehen zu wollen.
Dann möchte ich Ihnen, sehr verehrter Herr Professor, aufrichtig danken für die langen Jahre für mich fruchtbringender Arbeit an Ihrer Klinik, die mir auch weiterhin wegweisend sein werden.
Gleichzeitig habe ich die Bitte, allen Mitarbeitern – besonders den ältesten –, von denen ich mich ja leider ebensowenig verabschieden konnte, meine Abschiedsgrüße übermitteln zu wollen.[1]

Wer war dieser Mann, der sich beträchtlicher Beliebtheit erfreute und nach nicht mal einem Jahr seiner außerordentlichen Professur die Universität Rostock wieder verließ?
Georg Otto Laur ist am 3. April 1905 in Pfullendorf in Baden als Sohn des Spitalverwalters Joseph Laur geboren worden. Die Volks- und Bürgerschule besuchte Laur bis 1918 in seinem Geburtsort. Anschließend ging er an das Humanistische Gymnasium in Sigmaringen in Hohenzollern, an dem er auch im Jahr 1924 seine Reifeprüfung absolvierte. Nahtlos nahm Laur das Studium der Medizin auf. Er studierte bis 1929 in Tübingen, Freiburg i. Br., Köln, Wien und in Rostock. Im gleichen Jahr promovierte Laur zum Doktor der Medizin. Der Titel seiner Dissertation lautete: "Über den negativen Ausfall der Wassermannschen Reaktion im Liquor cerebrospinalis bei Tabes dorsalis." An die Promotion schloss sich ein Medizinisches Praktisches Jahr in Bremen an der inneren Abteilung der Städtischen Krankenanstalten. Bis 1932 hielt sich Dr. Laur in Davos (Schweiz) auf, wo als Assistenzarzt im Waldsanatorium arbeitete. Wieder zurück in Deutschland heiratete er am 23. März 1932 Lotte Huckstorf.

Dr. Laur übte mehrere Jahre eine Stellung als praktischer Arzt aus. Währenddessen befand er sich in den Jahren 1937 und 1938 als Unterarzt der Reserve in den Luftwaffen-Lazaretten Gotha sowie Halle. 1939 wurde er als planmäßiger wissenschaftlicher Assistent an der Medizinischen Universitätsklinik Rostock bei Prof. Curschmann sowie Prof. Schilling eingestellt. Kurz darauf musste die klinische Beschäftigung Dr. Laurs wegen des Zweiten Weltkriegs pausieren. Zunächst verließ er Deutschland erneut und war als Stabsarzt der Reserve im Luftwaffen-Lazarett Stavanger in Norwegen tätig. Auch während der militärischen Aktivität wendete sich Dr. Laur weiterhin seiner Bildung in Innerer Medizin, vor allem der Tuberkulose, zu. 1944 wurde er vorzeitig aus der Wehrmacht entlassen, um die Leitung der Tuberkulose-Station an der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch in Neustrelitz-Strelitz zu übernehmen. Dort nahm er den Ausbau und die Umgestaltung für die Tuberkulose vor. Dr. Laur wurde aufgrund seiner speziellen Kenntnisse und der Beherrschung der kleinen Chirurgie der Tuberkulose für diese Position angeworben.

Nach dem Krieg konnte Dr. Laur seine Position als wissenschaftlicher Assistent (Stationsarzt) an der Medizinischen Universitätsklinik Rostock erneut antreten. In Vertretung übernahm er in den Jahren 1947/48 die Leitung der Medizinischen Poliklinik. 1948 stieg er zum Oberarzt auf. Im gleichen Jahr habilitierte er an der Universität Rostock mit seiner Schrift "Causalfaktoren der heutigen Tuberculoseausbreitung und -verlaufsformenänderung und die Möglichkeit ihrer klinischen Objektivierung" und wurde er zum Dozenten ernannt.

Neben hervorragenden allgemeinen medizinischen Fähigkeiten besaß Prof. Laur ein ausgezeichnetes Lehrtalent. Er las unter anderem das Pflichtkolleg für Tuberkulose, Medizinische Propädeutik sowie Pathologische Physiologie. Seinem besonderen Interesse galt das Gebiet der Tuberkulose und der chirurgischen Tuberkulosebehandlung (Strangdurchtrennung, Rippenresektion, Empyembehandlung). Durch einen Fundus an wissenschaftlichen Arbeiten erlangte Prof. Laur auch außerhalb der Universitätsklinik Rostock, im Rest der DDR und im Westen Deutschlands, Bekanntheitsgrad. So wurde er oftmals als Konsiliarius an diverse Kliniken gerufen, um in problematischen Angelegenheiten zu beraten. Aktiv und regsam nahm Prof. Laur an den Sitzungen der wissenschaftlichen Gesellschaften sowie auswärtigen Kongressen, vor allem an Tuberkulosekongressen, teil.

1952 wurde Prof. Laur als außerordentlicher Professor für Innere Medizin der Universität Rostock eingesetzt. Nicht einmal ein Jahr später gab er seine Position, wie bereits zu Beginn der Biographie erläutert wurde, freiwillig auf. Leider verlassen uns hier auch die Informationen über Prof. Laur und sein weiteres Leben in Westdeutschland.

 
Nina Happ, Studentenbeitrag aus dem Jahr 2010.

[1] UAR, Personalakte Otto Laur, Bl. 26


Dokumente/Anhang

Anhang:
Otto Laur (Foto, um 1939, Personalakte, UAR)
laur_otto_pic.jpg
(58.4 KB) MD5 (als Portrait anzeigen)
Bild (Unterschrift)
laur_otto_sig.jpg
(22.8 KB) MD5 (als Unterschrift anzeigen)
Lebenslauf (zusammengestellt von Nina Happ)
laur_otto_cv.pdf
(114 KB) MD5 (keine Anzeige)
Schriftenverzeichnis (1948-1952, zusammengestellt von Nina Happ)
laur_otto_bib.pdf
(101 KB) MD5 (keine Anzeige)
Dokument (Biographischer Artikel von Nina Happ, 2010)
laur_otto_bio.html
(6.73 KB) MD5 (als Biogr. Artikel anzeigen)