Wildt, Klemens

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Empfohlene Zitierweise:
Eintrag von "Klemens Wildt" im Catalogus Professorum Rostochiensium,
https://purl.uni-rostock.de/cpr/00002756
(abgerufen am 30.06.2026)

Wildt, Klemens

Prof. Dr. phil.
 
1933-1940 Privatdozent für Geschichte und Pädagogik der Leibesübungen
1940-1944 Dozent für Geschichte und Pädagogik der Leibesübungen
wildt_klemens_pic.jpg

(Langeintrag)

Katalogeintrag

Fakultät:
1933-1944 Philosophische Fakultät
Institut:
Institut für Leibesübungen und körperliche Erziehung
Fachgebiet:
76 Sportwissenschaft
80 Pädagogik


 weitere Vornamen:
Karl
Lebensdaten:
geboren am 11.11.1901 in Dortmund
gestorben am 27.08.1980 in Bonn-Bad Godesberg
 Konfession:
römisch-katholisch
Familie:
Vater: Ernst Wildt (1859-?), Eisenbahn-Obersekretär
Mutter: Maria Wildt (1858-?), geb. Müller

Kurzbiographie:
1922 Abitur, Essen
1922-1925 Studium an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin, parallel dazu Studium der Geschichte, Geografie und Germanistik, Univ. Berlin
1926-1929 Studium der Geschichte, Philosophie, Pädagogik und Psychologie, Univ. Leipzig; gleichzeitig Erster Assistent am Institut für Leibesübungen
1929-1944 Universitäts-Turn- und Sportlehrer, 1933 Privatdozent, 1940 Dozent, Univ. Rostock
1944-1945 Versetzung und Lehrauftrag, Hochschulinstitut für Leibesübungen, Univ. Graz
1962-1967 Professor für Geschichte und Theorie der Leibesübungen, Univ. Bonn
1967 Emeritierung
akademische Abschlüsse:
Studium 1925 Diplom-Turn- und Sportlehrer, Deutsche Hochschule für Leibesübungen, Berlin
Promotion 1931 Dr. phil., Univ. Leipzig
Titel der Arbeit: Friedrich Ludwig Jahn und das deutsche Turnen. Dargestellt unter Verwendung nicht veröffentlichter Akten des Preußischen Ministeriums des Innern und des Preußischen Geheimen Staatsarchivs in Berlin-Dahlem.
Habilitation 1933 (Geschichte und Pädagogik der Leibesübungen), Univ. Rostock
Titel der Arbeit: Die Entwicklung des Übungsstoffes und der Lehrweise der deutschen Leibesübungen im 19. Jahrhundert.

akademische Selbstverwaltung:
1929-1944 Institutsdirektor
Funktionen:
ab 1933 Mitglied der SS, Scharführer und Sportreferent
1952-1967 Direktor des Instituts für Leibeserziehung, Univ. Bonn
1966 Mitglied des Committee for Sociology of Sport (ICSS)
1967 Mitglied im Historikerkomitee des UNESCO-Weltrates für Leibeserziehung und Sport (ICSPE)
1972-1980 Vizepräsident des Internationalen Komitees für Geschichte des Sports und der Körpererziehung (ICOSH)

Werke (Auswahl):
Leibesübungen im deutschen Mittelalter. Versuch einer kultursoziologischen Deutung. Frankfurt am Main 1957.
Auswanderer und Emigranten in der Geschichte der Leibesübungen. Schorndorf 1964.
Daten zur Sportgeschichte. Teil 1: Die "Alte Welt" und Europa bis 1750. Schorndorf 1970.
Daten zur Sportgeschichte. Teil 2: Europa von 1750 bis 1894. Schorndorf 1974.
Daten zur Sportgeschichte. Teil 3: Nord- und Lateinamerika bis 1900. Schorndorf 1977.
Daten zur Sportgeschichte. Teil 4. Asien, Afrika, Australien und Neu-Seeland bis 1900. Schorndorf 1980.

Quellen:
Personalakte Klemens Wildt, UAR; zusammengestellt von Michael Landeck, Rostock
Kürschners deutscher Gelehrtenkalender. Berlin 1976.
weitere Literatur:
Pahncke, Wolfgang: Die Universität 1419-1945. Rostock 1972. (Beiträge zur Rostocker Sportgeschichte, Bd. 1).
Schroeder, Christian (Hg.): 1927-1997: 70 Jahre Institut für Sportwissenschaft der Universität Rostock. Festschrift anlässlich der Jubiläumsveranstaltung. Rostock 1997.
Deutsches Biographisches Archiv III 993, 344. (WBIS) (Link öffnen externer Link)
Internet-Ressourcen:
Einordnung:
Epoche 1918-1933
Epoche 1933-1945

eingestellt / geändert:
28.07.2010, mglasow / 24.11.2022, rstephan

Biographie

Dokument:

Dr. Klemens Wildt wurde am 11. November 1901 als jüngstes Kind eines Eisenbahn-Obersekretärs geboren. Nachdem er 1922 an der Oberrealschule in Essen sein Abitur ablegte, begann er noch im selben Jahr ein Studium an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin. Gleichzeitig studierte er an der Universität Berlin die Fächer Geschichte, Geografie und Germanistik. Seine Diplomprüfung zum staatlichen Turn- und Sportlehrer konnte er im Jahr 1925 erfolgreich abschließen. Wenig später zog es den gebürtigen Dortmunder nach Leipzig, wo er sein Studium fortsetzte (Geschichte, Philosophie, Pädagogik und Psychologie) und Assistent am Institut für Leibesübungen der Universität Leipzig wurde. Dort sammelte er zahlreiche praktische Erfahrungen bei der Leitung von Seminaren und führte verschiedene Verwaltungsaufgaben aus. (Vgl. UAR, PA, Bd. 2, Bl. 1, 259)

Im Oktober 1929 trat Klemens Wildt die freie Stelle des Universitäts-Turn- und Sportlehrers in Rostock an und wurde zum Leiter des seit 1927 bestehenden Instituts für Leibesübungen ernannt. Anfangs bestand seine Aufgabe in der Durchführung des Pflichtsports der Philologen und des freiwilligen Sports. Erst als im April 1930 die Turnlehrerausbildung dem Institut übertragen wurde, begann die Einrichtung des Studiums der Leibesübungen in Rostock. Verbunden mit dem Aufbau des Studiums in theoretischer und praktischer Hinsicht, waren Wildts erste Dienstjahre durch den Ausbau der Institutsräume, die Errichtung der Sportstätten (z.B. Sportplatz, Tennisanlage, Bootshaus) sowie die Beschaffung der wichtigsten wissenschaftlichen Hilfsmittel geprägt. In diesen Zeitraum fallen auch seine mündliche Doktorprüfung und die Annahme seiner Dissertation (Friedrich Ludwig Jahn und das deutsche Turnen.) durch die Universität Leipzig. (Vgl. UAR, PA, Bd. 2., Bl. 259, 335)

Im Jahr 1933 vollendete Dr. Wildt seine Habilitationsschrift (Die Entwicklung des Übungsstoffes und der Lehrweise der deutschen Leibesübungen im 19. Jahrhundert) und erwarb mit ihrer Verteidigung an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock die venia legendi für das akademische Lehrfach "Geschichte und Pädagogik der Leibesübungen". Damit war Wildt der vierte deutsche Hochschullehrer, der mit einem sportwissenschaftlichen Thema habilitierte. (Vgl. Pahncke, Wolfgang: Die Universität 1419-1945. Rostock 1972, S. 211)
In den Folgejahren trieb er den Ausbau des Instituts weiter voran und so konnten im Winter 1937/1938 die neuen Räumlichkeiten in der Schwaanschen Straße bezogen werden. Nebenbei veröffentlichte Wildt einige wissenschaftliche Arbeiten, "die im wesentlichen frei von faschistischer Ideologie waren" (Pahncke, 1972, S. 211). Seine Ernennung zum Dozenten fällt in das Jahr 1940. Wenige Monate zuvor wurde Wildt zum Regierungsrat ernannt. Ein umstrittenes Disziplinarverfahren gegen ihn, seine kurzzeitige Absetzung als Institutsdirektor sowie die Ablehnung des Antrages auf eine Professur deuten allerdings auf eine Konfrontation zwischen Wildt und dem nationalsozialistischen Regime hin. (Vgl. Pahncke, 1972, S. 208 ff; UAR, PA, Bd. 2, Bl. 251, 244)

1944 wurde K. Wildt mit einem Lehrauftrag an der Philosophischen Fakultät an das Hochschulinstitut für Leibesübungen der Universität Graz versetzt (vgl. UAR, PA, Bd. 2, Bl. 338). Dort blieb er bis Kriegsende. Seine nächste und letzte berufliche Station war ab 1949 eine Tätigkeit am Institut für Leibeserziehung der Universität Bonn, dessen Leitung er in den Jahren 1952 bis 1967 übernahm. Sein Engagement, selbst nach seiner Emeritierung und bis zu seinem Tod im Jahr 1980, erweiterte er als Mitglied in zahlreichen nationalen sowie internationalen Gremien und Kommissionen. Sein Verdienst als Sporthistoriker findet noch heute eine hohe Anerkennung.

 
Michael Landeck, Studentenbeitrag aus dem Jahr 2010.

Dokumente/Anhang

Anhang:
Klemens Wildt (Foto, um 1935, UAR)
wildt_klemens_pic.jpg
(56.3 KB) MD5 (als Portrait anzeigen)
Bild (Unterschrift)
wildt_klemens_sig.jpg
(39.2 KB) MD5 (als Unterschrift anzeigen)
Politische Beurteilung durch NSDAP (1935, Personalakte, UAR)
wildt_klemens_beurteilung.pdf
(223 KB) MD5 (keine Anzeige)
Dokument (Biographischer Artikel von Michael Landeck, 2010)
wildt_klemens_bio.html
(5.0 KB) MD5 (als Biogr. Artikel anzeigen)